Nach einem entspannten Tag (oder sagen wir: einer mentalen Vorbereitung auf die 5-Kilometer-Pilgerreise), machten wir uns am Abend zu Fuß auf den Weg zum Restaurant Morille in Koudekerke – einem kulinarischen Kleinod, das mit einem Grünen Michelin-Stern ausgezeichnet ist. Ein Spaziergang, der sich wie ein Vorspiel zu einem Festmahl anfühlte. Und ja, spätestens nach Kilometer drei knurrte nicht nur der Magen, sondern auch die Waden.

Das Menü? Ein Gedicht auf Porzellan.

Schon die Amuses waren wie ein kleiner Jahrmarkt der Aromen: von Roter Bete mit Kimchi und Ziegenjoghurt über geräucherte Forelle mit Dashibrise bis hin zu einem Beignet vom lokalen Fisch mit Bärlauch – ein kulinarisches Pingpong-Spiel, das direkt die Vorfreude auf mehr schürte.

Dann ging’s richtig los:
Karotte & Lauch mit Buchweizen, geräucherte Karotten zu Tatar verarbeitet mit Lauchpaste und Crème Fraîche

Saibling an fermentiertem Spargel mit Magnolien – blumig und zart, wie ein Frühlingsspaziergang auf dem Teller.

Rübe, aber nicht irgendeine. Diese kam mit einer Auster, Liebstöckel und Sellerie daher – ein rustikales Revival mit edlem Touch.

Spitzkohl, der mit lokalem Speck, Pilzen und Bärlauch so gar nichts mit Kantinenerinnerungen gemein hatte.

Dann der Skrei: norwegischer Winterkabeljau, der sich in Miso, Hollandaise und Brandade badete – ein wahres Wellnessprogramm für Fisch.

Rind vom Hof nebenan, begleitet von Zwiebelvariationen, Morchel (der Namensgeber grüßt) und Ravioli.

Als süßer Abschluss: Rhabarber mit Magnolie, Joghurt und Estragon – ein Frühlingsdessert, das wie ein Gedicht klang und schmeckte.

Handwerklich spielt die Küche hier auf höchstem Niveau – präzise, filigran und detailverliebt, als würde jede Komponente per Pinzette und mit Mozart im Hintergrund auf dem Teller landen.

Und doch… – ein kleiner Wunsch bleibt offen: ein Quäntchen mehr Mut beim Abschmecken. An manchen Stellen hätte ein frecherer Säureakzent, ein mutigerer Würzgriff oder ein überraschender Kontrast dem Erlebnis noch mehr Tiefe verliehen. Es war wie ein perfekt gestimmtes Klavierstück, bei dem man sich heimlich doch einen wilden Jazzakkord wünscht.

Kaum waren wir zurück bei unserem Columbus, legte der Regen los – präziser hätten wir das Timing nicht hinbekommen. Ein gelungener Abend: feines Essen, feine Füße, feiner Regen.

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