Schweden mit Columbus – einfach losfahren und schauen, wo wir landen

Schweden 2026 · 23 Tage · 6.118 Kilometer

23 Tage, 6.118 Kilometer und eigentlich kein richtiger Plan. Genau so wollten wir Schweden mit unserem Camper Columbus erleben. Natur, einsame Stellplätze, Pilze, Heidelbeeren, Angeln und natürlich immer wieder ein Sprung in einen See. Einige Wünsche gingen in Erfüllung. Bei anderen – insbesondere beim Angelglück und der gewünschten Wassertemperatur – zeigte sich Schweden ziemlich kompromisslos.

Unsere Reise

  • Ohne großen Plan Richtung Norden
  • Wandern, baden – und Columbus bekommt eine Coladusche
  • 20 Kilometer durch das Fulufjället
  • Ein See, den Google nicht kennt
  • Eine Frau, eine Katze und Columbus als Taxi
  • Von der Hohen Küste wieder Richtung Süden
  • Öland zum Abschluss
  • Was bleibt?
  • Unsere Tipps für eine Schwedenreise mit dem Camper

Ohne großen Plan Richtung Norden

Unsere Reise beginnt Ende Juli. Von Achern geht es Richtung Travemünde, wo wir mitten in der Nacht noch einen kostenlosen Stellplatz finden – zusammen mit ungefähr 30 anderen Wohnmobilen. Einsamkeit sieht anders aus, aber für eine Nacht passt es.

Am nächsten Morgen fahren wir auf die Fähre nach Malmö. Columbus steht auf dem Freideck, die Solaranlage versorgt unseren Kühlschrank und wir frühstücken mit Blick auf die Ostsee. Die neun Stunden Überfahrt verbringen wir mit Lesen, Ausruhen und ein bisschen Planung. Schön, wenn der Urlaub so entspannt beginnt.

Von Malmö geht es zunächst an der Ostküste entlang. Bei Ales stenar stehen wir vor dem gewaltigen steinernen Schiff oberhalb der Ostsee. Weil wir früh unterwegs sind, können wir die Anlage noch fast ohne andere Besucher genießen. Danach folgen Strand, Wind und Algen. Baden wollen wir eigentlich auch. Eigentlich.

Bei Karlskrona geben wir die Suche nach einem freien Stellplatz irgendwann auf und fahren auf einen Campingplatz in den Schären. Am nächsten Morgen schauen wir uns Karlskrona an, kaufen Zimtschnecken und Brötchen und landen später an einem herrlichen Badeplatz.

Von jetzt an beginnt das Schweden, das wir gesucht haben: kleine Straßen, Dörfer, Wälder und vor allem Seen. Viele Seen.

Wandern, baden – und Columbus bekommt eine Coladusche

Über den riesigen Vätternsee fahren wir zum Tiveden-Nationalpark. Bei leichtem Regen umrunden wir zu Fuß den Stora Trehörningen. Rund neun Kilometer geht es über Granitfelsen, durch ursprüngliche Wälder, vorbei an Heide, Flechten und Moosen.

Nach der Wanderung springen wir selbstverständlich in den See.

Zurück im Camper fällt eine Coladose aus dem Schrank und platzt. Columbus wird damit offiziell von innen getauft. Eine ziemliche Sauerei – aber unser Boden war anschließend vermutlich lange nicht mehr so sauber.

Wir fahren weiter Richtung Norden. Ein alter Bergwerksstollen, der Werksverkauf von Wasa in Filipstad, Schotterstraßen und der Klarälven liegen auf unserem Weg.

Columbus steht auf dem Freideck, die Solaranlage versorgt unseren Kühlschrank

Und dann beginnt ein Thema, das uns den Rest der Reise begleiten wird: unser Angelprojekt.

Angelkarte kaufen. Angel auspacken. Auswerfen. Kein Fisch. Am nächsten Morgen neuer Versuch. Wieder kein Fisch. Irgendwann wird sogar KI zur Unterstützung herangezogen. Die Fische zeigen sich von moderner Technik allerdings völlig unbeeindruckt.

Dafür finden wir Heidelbeeren, erste Pfifferlinge und später sogar Moltebeeren.

20 Kilometer durch das Fulufjället

Einer unserer Höhepunkte ist der Fulufjället-Nationalpark. Wir wandern zum Njupeskär-Wasserfall und anschließend hinauf aufs Fjäll.

Moor. Steine. Seen. Weite.

Nach rund 20 Kilometern und einem Besuch bei Old Tjikko kommen wir wieder am Columbus an. Auf der anschließenden Stellplatzsuche sehen wir unsere ersten Rentiere.

Der erste Platz gefällt uns sofort: direkt am Badestrand. Natürlich gehen wir hinein. Sehr kurz. Brrrr.

Der Heidelbeercrumble aus selbst gesammelten Beeren entschädigt uns am Abend.

Ein See, den Google nicht kennt

An einem anderen Tag fahren wir einfach los. Asphalt wird zu Schotter, Schotter zu immer kleineren Straßen. Wir suchen Pilze und finden hauptsächlich Heidelbeeren.

Irgendwann entdecken wir einen kleinen See und beschließen: Hier bleiben wir.

Der See ist nicht einmal bei Google Maps eingezeichnet. Auf der schwedischen Angelkarte hat er natürlich einen Namen. Also Angelkarte kaufen, Angel auswerfen, Blaubeeren sammeln und Hefeteig ansetzen.

Das Ergebnis: kein Fisch, aber Blaubeerbuchteln mit Blaubeerkompott. Wir können damit leben.

Eine Frau, eine Katze und Columbus als Taxi

Auf der Vildmarksvägen halten wir zunächst an einem kleinen Hofladen und kaufen Grillkäse und Kaffeekäse.

Später steht auf einer Schotterstraße eine Frau neben ihrem Auto. Reifenpanne – und kein Ersatzrad.

Nach einigen Telefonaten packen wir schließlich die Frau, ihre Katze und ihre Kühlbox in Columbus und bringen sie nach Hause. Sie erzählt uns unterwegs von ihrem Leben als Lehrerin und Mutter von vier Kindern.

Solche Begegnungen stehen in keinem Reiseplan. Gerade deshalb bleiben sie in Erinnerung.

Weiter geht es über das Stekenjokk, vorbei an Wasserfällen, durch Wälder und Moore. Wir finden endlich reichlich Pfifferlinge. Die Holzbohlen auf den Wanderwegen sind allerdings rutschig. Einmal landet einer von uns auf dem Hosenboden, beim zweiten Mal sogar wie ein Käfer auf dem Rücken. Zum Glück passiert nichts – also dürfen wir lachen.

Von der Hohen Küste wieder Richtung Süden

Bei Nämforsen beeindrucken uns die jahrtausendealten Felsritzungen an den Stromschnellen des Ångermanälven. Danach wartet mit dem Skuleskogen-Nationalpark noch einmal eine wunderschöne Wanderung an der Hohen Küste.

Und anschließend? Natürlich wieder ein See. Natürlich springen wir hinein. Man erkennt langsam ein Muster.

Irgendwann müssen wir akzeptieren, dass unsere Fahrtrichtung wieder Süden heißt. Aber Schweden ist noch nicht vorbei.

Öland zum Abschluss

Ein Regentag bringt uns bis nach Öland. An der Südspitze erreichen wir Långe Jan. Inzwischen scheint wieder die Sonne und wir genießen die Landschaft und die Vogelwelt.

Am nächsten Tag geht es zur Ringburg Eketorps Borg, vorbei an den typischen Windmühlen nach Borgholm und schließlich zu einem kleinen Hafen mit Fischräucherei.

Das können wir natürlich nicht ignorieren.

Heißgeräucherter Lachs mit Kakao-Chili oder rosa Pfeffer und Honig, Dorsch und Dorschrogen. Dazu ein Glas badischer Weißwein mit Blick auf die Ostsee. Uns geht’s gut.

Was bleibt?

Wir sind ohne festen Plan losgefahren – und würden es wieder genauso machen.

Es bleiben die großen Landschaften und Nationalparks. Aber genauso bleiben die kleinen Dinge: ein See, den Google nicht kennt, Schotterstraßen, Heidelbeeren, Pfifferlinge, kaltes Wasser, eine geplatzte Coladose, eine Frau mit Katze im Camper und erstaunlich viele erfolglose Angelversuche.

Schweden hat uns vor allem eines gegeben: Platz und die Freiheit, morgens noch nicht wissen zu müssen, wo wir abends schlafen.

Unsere Tipps für eine Schwedenreise mit dem Camper

Nicht alles vorplanen. Badesachen und Wanderschuhe immer griffbereit halten. Schotterstraßen nicht grundsätzlich meiden. Vor dem Angeln prüfen, ob eine Angelkarte benötigt wird. Und vor allem: Platz im Reiseplan lassen. Einige unserer schönsten Erinnerungen standen in keinem Reiseführer.

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